Prostatakarzinom: radioonkologische Spezialsprechstunde startet

Prostatakarzinom: radioonkologische Spezialsprechstunde startet

Prostatakrebs ist häufig, meistens aber nicht tödlich. Pro Jahr erkranken 60.000 Männer in Deutschland. Heilung verspricht die Operation und die Strahlentherapie. Eine optimale Entscheidung bedarf guter Beratung. Deswegen bieten wir ab Januar 2020 eine „radioonkologische Spezialsprechstunde Prostata (RSP)“ an. Damit tragen wir der Leitlinie Rechnung. Patienten mit einem heilbaren Prostatakarzinom sollten nämlich “vor Therapieentscheidung” eine Aufklärung „auch von einem Strahlentherapeuten“ angeboten werden. Termine gibt es innerhalb einer Woche.

Damit treten wir nicht in Konkurrenz zu unseren urologischen Kollegen. Im Gegenteil: wir unterstützen sie, indem

  • das radioonkologische Aufklärungsgebot leicht umsetzbar ist.
  • unsere gemeinsamen Patienten ihre Entscheidungen ohne – aktuelle oder zukünftige – Zweifel treffen.
  • wir unsere fachliche Zusammenarbeit stärken. Zusammen bieten wir ein breites Leistungsspektrum. Alleinstellungsmerkmale ist beispielsweise die HDR- Brachytherapie – auch als Re- Bestrahlung. Die Kollegialität ist hervorragend. Die HDR- Brachytherapien etwa führen wir gemeinsam mit Urologen durch.
  • wir möglicherweise bei einigen Patienten die Doppelbelastung durch Operation und nachfolgende Strahlentherapie vermeiden. Um nicht falsch verstanden zu werden – die urologischen Kollegen stehen in keinster Weise im Verdacht, wissentlich unnötige Operationen zu veranlassen. Auf der anderen Seite ist allerdings auch so: Der Metzger verkauft Fleisch und der Bäcker Brot. Patienten, die sich primär an uns wenden, raten wir dewegen auch dringend zu einer Beratung durch den Urologen.
Leitlinie Statement 5.5
S3 Leitlinie Statement 5.5

Bildnachweis:
RSP Karte – C. Stallmann
S3 Leitlinie Statement 5.5: S3-Leitlinie Prostatakarzinom. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Langversion 5.0, 2018, AWMF Registernummer: 043/022OL, http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/ (abgerufen am: 13.09.2019)

5 kluge Köpfe und ein aggressiver Hirntumor

5 kluge Köpfe und ein aggressiver Hirntumor

Gleich fünf Referenten aus der Region unterschiedlicher Fachbereiche. Sie unterrichteten sich am 28.08.2019 gegenseitig, weitere Ärzte und MTRAs über neue Behandlungsmöglichkeiten von Glioblastomen. Unter den bösartigen hirneigenen Tumoren der häufigste und leider auch aggressivste.

Dr. Bäsecke (Cloppenburg) und Dr. Höpfner (Quakenbrück)

Die ärztliche Fortbildung „IRG (industriefreier Roundtable Glioblastom)“ war von Dr. Christian Stallmann von der Strahlentherapie Vechta initiiert und organisiert worden. Vorträge hielten Priv. Doz. Dr. Jörg Bäsecke (Chefarzt für Hämatologie / Onkologie in Cloppenburg), Pawel Basiora (Facharzt für Hämatologie/ Onkologie in Lohne und Vechta), Dr. Frank Dürfeld (Facharzt für Radiologie in Cloppenburg und Vechta), Dr. Jürgen Höpfner (Leitender Arzt für Neurochirurgie in Quakenbrück) und Dr. Christian Stallmann (Facharzt für Radioonkologie in Vechta).

Von den sonst üblichen Sponsoren aus der Pharmaindustrie oder Medizintechnik wurde bewusst abgesehen. Dafür verzichteten alle Redner auf ein Vortragshonorar und trugen die Anreisekosten selbst. Als sehr fruchtbar werteten die Anwesenden den regen fachlichen Gedankenaustausch. Um 20.30 Uhr stellten die Teilnehmer überrascht fest, dass sie die geplanten 90 Minuten um eine ganze Stunde überzogen hatten.

 „Hirntumoren werden sowohl operiert als auch bestrahlt und chemotherapiert. Schon lange stimmen sich die Ärzte der verschiedenen Fachgebiete eng ab. Der Roundtable hat diese Kooperation in Details weiter spürbar vertieft“, resümiert Jörg Bäsecke. Christian Stallmann stimmt zu. „Von diesem Netzwerk profitieren die Patienten mit Hirntumoren aus Südoldenburg und dem westlichen Hasetal, weil die Spezialisten so optimal zusammenarbeiten“, fügt er hinzu.

DEGRO Jahrestreffen in Münster

DEGRO Jahrestreffen in Münster

Wie überraschend aktiv die wissenschaftliche Gemeinschaft der Radioonkologie in Deutschland ist, konnte in diesem Jahr in Münster festgestellt werden. Im Kongresszentrum trafen sich vom 13.06.2019 bis zum 16.06.2019 mehr als 2.500 Teilnehmer. Einer von ihnen: der Verfasser dieses Artikels, Dr. med. Christian Stallmann, Facharzt für Strahlentherapie der Radiologie Vechta.

Von den vielen interessanten Aspekte will ich drei herausgreifen. Weil sie sich auf die tägliche Betreuung unserer Patientinnen und Patienten auswirken können. Sie betreffen das Prostatakarzinom, den Brust- und den Enddarmkrebs.

Enddarmkrebs: zukünftig Heilung ohne OP?

Der Vorteil einer Heilung vom tiefsitzenden Enddarmkrebs mit alleiniger Strahlen-/ Chemotherapie: ein künstlicher Darmausgang würde vermieden. Ein solches Vorgehen ist beim Analkarzinom bereits etablierter Standard. Ob das beim Enddarmkrebs ein sicheres Vorgehen ist, war Gegenstand einer wissenschaftlichen und heißen Diskussion zwischen radioonkologischen und chirurgischen Experten. Meine persönliche Einschätzung: Die Operation nach einer Strahlen-/ Chemotherapie bleibt Standard, auch wenn der Tumor nicht mehr sichtbar ist. Aber im Einzelfall kann bei Wunsch des aufgeklärten Patienten besser als früher auf eine Operation und den künstlichen Darmausgang verzichtet werden. Voraussetzung ist konsequente und engmaschige Nachuntersuchungen.

Brustkrebs: Heilung trotz Metastasen?

Von Oligometastasierung spricht man, wenn es nur maximal 5 Metastasen gibt. Bei Fernmetastasen sind grundsätzlich Medikamente (wie Chemo-, Immun- und Hormontherapie) die Behandlung der ersten Wahl. Eine zusätzliche Lokaltherapie etwa durch stereotaktische Bestrahlungen (“Radiochirurgie”) der 1- 5 Oligo- Metastasen kann die Überlebenszeit verbessern. In manchen Fällen scheint trotz Fernmetastasen sogar eine Heilung erzielt zu werden. Beobachtet wurde dies beim Dickdarmkrebs und kürzlich beim Lungenkrebs. Berechtigte Hoffnungen bestehen auch beim Brustkrebs. Hier fehlen aber noch aussagekräftige Studien. Und eine solche, großangelegte Untersuchung soll in Deutschland noch in diesem Jahr starten: die OLIGOMA- Studie. Bei etwa 30% – 40% der Brustkrebspatientinnen werden Fermetastasen festgestellt, 20% davon befinden sich im begrenzten oligometastasierten Stadium. Genau diese Patientinnen können an der Studie teilnehmen. Auch die Strahlentherapie Vechta in Abstimmung mit dem Brustzentrum will für diese Patientinnen Studienzentrum werden.

Prostatakrebs: PET/CT schon bei niedrigem PSA

Tritt beim Prostatakarzinom nach Operation der Tumor erneut auf, ist eine medikamentöse Hormonblockade zusammen mit einer Bestrahlung sinnvoll. Diese ist am erfolgreichsten, wenn die Tumorlast – gemessen am Tumormarker PSA – gering ist und es außerdem noch keine Fernmetastasen gibt. Aus diesem Grund sollte schon bei geringfügiger Erhöhung des Tumormarkers PSA das PET/CT zur Tumorsuche eingesetzt werden. PET/CT Untersuchungen fügen der Computertomographie (CT) Tumorstoffwechsel- Informationen hinzu, die mit nuklearmedizinischer Technik gewonnen werden. So können besipielsweise im CT eigentlich unauffällige Lymphknoten doch als tumorbefallen identifiziert werden. Sind Tumoren in der Prostataloge und in den lokalen Lymphknoten feststellbar, kann die Bestrahlung dort gezielt eingesetzt werden. Sie ist besonders erfolgreich, wenn es nicht mehr als 5 Tumoren gibt. Kommt Ihnen die magische Zahl “5” nicht bekannt vor? Richtig! Bei bis 5 Rezidivtumoren spricht man von “Oligo-” Rezidiven.

Viele hoffnungsvolle Entwicklungen zeichneten sich auch auf der DEGRO 2019 ab. Die Fortschritte in der Krebsmedizin scheinen deutllich zuzunehmen. Unser Fach, die Strahlentherapie, ist dabei mitten drin. Man kann sich optimistisch auf spannende Zeiten freuen!


Bildnachweis: C. Stallmann, Vechta

 

Auszeichnung

Auszeichnung

Die jährliche Focus- Ärzteliste empfehlen Mediziner seit 2017 auch im ambulanten Bereich. Von Anfang an dabei: Dr. med. Christian Stallmann, Facharzt für Strahlentherapie in Vechta. Zum dritten Mal in Folge ist er “empfohlener Arzt in der Region”: 2017 – 2018 – 2019.

Die Auszeichnung gebührt dem Team

Nach Angaben des Magazins “Focus Gesundheit” werden Mediziner ausschließlich nach transparenten Kriterien und umfangreichen Recherchen in die Liste aufgenommen. Dr. Christian Stallmann: “Natürlich freue ich mich über diese wiederholten Auszeichnungen. Unsere medizinische Versorgung findet offensichtlich eine positive Resonanz. Das ist selbstverständlich ein Verdienst des ganzen Teams. Meine ärztlichen Kolleginnen und Kollegen sowie MTRAs und MFAs haben einen mindestens so intensiven Kontakt zu unseren Patientinnen und Patienten wie ich. Die große Patientenzufriedenheit ist ihr Verdienst. Und auch wenn unsere Medizinphysikexperten nicht im Rampenlicht stehen – deren Beitrag darf man nicht unterschätzen. Die überdurchschnittich schnellen Behandlungsbeginne und die hervorragenden Bestrahlungspläne mit sehr geringen Nebenwirkungsraten wären ohne das überragende Engangement gar nicht denkbar.”

Unsicherheit abbauen

Weitere Ärzte sind ebenfalls ausgezeichnet. Beispiel innerhalb der Radiologie Vechta ist Dr. Stefan Jürgens. Auch Ärzte in anderen Praxen veröffentlichen das oft nicht auf ihre Webseite. Denn: das kostet. Wir haben uns dennoch entschieden, für die Verwendung des Siegels zu zahlen. Wir hoffen nämlich, damit unseren Patientinnen und Patienten etwas von ihrer Unsicherheit nehmen zu können. Strahlentherapie ist die große Unbekannte in der Krebsmedizin. Als Laie kann man sich erst einmal darunter kaum etwas vorstellen. Mit Operationen und Medikamenten – auch als Infusion – hat jeder schon einmal Kontakt gehabt. Aber mit einer Strahlentherapie? Da wiegt die Unsicherheit, wie gut der behandelnde Arzt ist, besonders stark. Unsere Hoffnung: vielleicht kann ja dieses Siegel zusätzliches Vertrauen vermitteln.

Science Fiction?

Science Fiction?

“Cyberknife”, “Stereotaxie”, “Checkpointinhibitoren” – was sich nach Science Fiction anhörte, war in Wirklichkeit eine Ärztliche Fortbildung. So spannend, dass die Veranstaltung am 05.12.2018 im Rathaus Vechta um eine dreiviertel Stunde überzogen wurde.

Fünf Vorträge fesselten die etwa 60 Besucher. Highlight war der Beitrag von Frau Dr. Ernst. Sie leitet als Chefärztin die Strahlentherapie und das Cyberknife Zentrum in Soest. Kaum jemand in Deutschland hat mehr Erfahrung mit stereotaktischen Bestrahlungen, als sie. In den letzten Jahren hat sie ein Netzwerk mit 34 Stereotaxieeinrichtungen etabliert. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch die Strahlentherapie Vechta. Bei der Stereotaxie handelt es sich um eine Hochpräzisionsbestrahlung, die sehr nebenwirkungsarm eine Extremdosis in einzelne Tumoren einstrahlt. Die Wirkung ist so beeindruckend, dass man von “Radiochirurgie” spricht. Dazu eignen sich etwa Hirnmetastasen, Tumoren in der Lunge und Leber sowie Lymphknotenabsiedlungen der Prostata. Weil die Strahlenbelastung am gesunden Gewebe niedrig gehalten werden kann, können häufig auch in vorbestrahlten Regionen erfolgversprechende Therapien realisiert werden.

Nierentumoren fallen meistens als Zufallsbefunde im Ultraschall beim Hausarzt oder Internisten auf. Darauf wies Herr Dr. Sommer, urologischer Chefarzt des St. Franziskushospital Lohne, hin. Nicht selten werden sie dann so früh entdeckt, dass sie mit einer Operation geheilt werden können. Er und Herr Dr. Steffens, internistischer Krebsexperte aus Damme, stellten die chirurgischen und medikamentösen Therapieoptionen dar. Gerade die medikamentösen Behandlungen erfahren in den letzten Jahren rasante und andauernde Fortschritte. Für die Grundlagenforschung, die zu den sogenanten Checkpointinhibitoren geführt haben, haben der Amerikaner Allison und der Japaner Honjo den diesjährigen Nobelpreis für Medizin erhalten. Herr Dr. Penke, internischer Onkologe aus Vechta und Lohne, stellte in einem plastischen Vortrag die Wirkweise dieser Medikamentengruppe dar. Diese Substanzen aktivieren das patienteneigene Immunsystem gegen den Tumor. Bösartige Tumoren etwa der Lunge oder Niere, bei denen eine Chemotherapie nicht oder nicht mehr hilft, können so behandelt werden. Fortgeschrittene Tumoren verursachen häufig Schmerzen. Frau Twiessel, die leitende Fachärztin für Hämatologie und Onkologie im Marienhospital Vechta ist auch in der Vechtaer Praxis für Hämatologie/ Onkologie tätig. Sie ist außerdem auf Palliativmedizin spezialisiert. Sie gab einen hervorragenden und praxisnahen Überblick über die medikamentöse Schmerzbehandlung.

Meine persönliches Fazit: Fachlich haben wir alle eine Menge voneinander gerlernt. Und, mindestens genauso wichtig: durch die persönlichen Kontakte sind die onkologischen Akteure (Spezialisten, Hausärzte, Pflegekräfte) der Region weiter zusammengewachsen.

 

 

Bildeindrücke

Eine gute 2!

Eine gute 2!

Wer mag schon gerne Physik? Die Auszubildenden zum Medizinisch-technischen Radiologieassistenten (MTRA, m/w) aus Osnabrück offensichtlich schon.

Der Mittelkurs absolvierte erstmals in der Vechtaer Strahlentherapie einen Blockkurs in der Medizinischen Physik. Durch einen Fragebogen wurde die Zufriedenheit mit dem Kurs erfragt. Das erfreuliche Ergebnis: 1,9 lautete die Durchschnittsnote. Besonders positiv wurde die Möglichkeit zu Fragen und Diskussionen bewertet. Unterdurchschnittlich wurde der zeitliche Aufwand für die Teilnehmer empfunden. Angesichts der Anreise aus Osnabrück kein Wunder. Unser Fazit: das Engangement unserer Medizinphysiker war wohl ansteckend. Physik ist vielleicht doch nicht das Horrorfach, wie es in der Schule auf manche wirkte. Im Gegenteil: die MTRA Schüler vergaben für den praktischen Nutzen eine glatte 2.

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